Einweihung des Dorfgemeinschaftshauses 1961


Maßstab für die Entwicklung der Gemeinde

Das 161. hessische Dorfgemeinschaftshaus in Nieder-Bessingen seiner Besimmung übergeben

  

  N i e d e r - B e s s i n g e n (K). Rechte Herbststimmung erfüllte die Nieder-Bessinger bei der Einweihungsfeier für ihre Dorfgemeinschaftsanlage, die sie am Vortage des Erntedankfestes begehen konnten. Die zahlreichen Ehrengäste, in ihrer Mitte Innenminister Heinrich Schneider, hatten eine schöne Szenerie mit dem schmucken Neubau zur Rechten, daneben ein grünumranktes Rednerpult, das Blasorchester und den Gemischte Chor vor sich und dahinter die herbstliche Landschaft. Linker Hand schloß den Kreis die Feuerwehr bei dem auch für sie denkwürdigen Ereignis. Mit dem Choral "Die Himmel rühmen . . .", einem Prolog und einem Lied des Gemischten Chores, in dem in beschwingten Worten die Episoden des Bauvorhabens angeführt wurden, schufen die Überleitung zu der Begrüßungsansprache von Bürgermeister Lamp.

Er vergaß in dieser Ansprache wohl keinen der vielen Ehrengäste und keine Phase der langen Baugeschichte. Der Bürgermeister stattete seinen und der Gemeinde Dank allen Mithelfern und Mitarbeitern ab, wobei er die von Innenminister Schneider verständnisvoll entgegengebrachte Förderung besonders zu würdigen wußte und auch dem Lande Hessen und dem Landkreis Gießen seinen Dank abstattete. Er führte neben dem Kreisausschuß auch Landrat Dr. Maraun, Amtmann Bodenbender an, und gedachte der Unterstützung durch den früheren Landrat v. Schwerin. Wie der Bürgermeister sagte, hätten gewiß das Land Hessen und der Landkreis Gießen erhebliche Mittel zur Verfügung gestellt, aber auch die Gemeinde sei bis an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit gegangen. Früher habe sich Nieder-Bessingen unter den fünf letzten Gemeinden befunden, die keine Wasserleitungsanlage errichten konnten, nun sei es eine der fünf ersten Gemeinden, die eine so stattliche Dorfgemeinschaftsanlage ihr eigen nennen könne.
Seine Festansprache widmete Innenminister S c h n e i d e r richtungweisenden Ausführungen über die Lösung der Dorfprobleme. Wie er sagte, werde selten an einen Bauplatz die Entwicklung einer Gemeinde über Jahrzehnte deutlicher wie hier. Das Dorfgemeinschaftshaus stehe auf dem Damm und anschließendem Gelände der Eisenbahn Lich-Grünberg. 1910 unter wesentlicher Kostenbeteiligung der Gemeinde in Betrieb genommen, bestand die Eisenbahn nur 50 Jahre und nur noch das Bahnhofsgebäude erinnere an diese Zeit. Durch die Beseitigung der Bahnstrecke konnte außerhalb der engen Ortslage dieses Dorfgemeinschaftshaus errichtet werden, und schließlich sei noch Raum für einen kleinen Kindergarten vorhanden. Für diese Leistung sprach der Minister allen Beteiligten seine Anerkennung aus und führte dann die sieben Gemeinschaftseinrichtungen an, die hier unter einem Dach vereinigt sind. Wenn einmal die gesamte Anlage bepflanzt sein werde, könne Nieder-Bessingen eine der wohlgelungensten hessischen Gemeinschaftsanlagen sein eigen nennen. In seinen weiteren Ausführungen ging der Minister auf das zu einem festen Bestandteil hessischer Sozial- und Kommunalpolitik gehörende Schwerstpunktprogramm "Soziale Aufrüstung des Dorfes" näher ein. Das Dorfgemeinschaftshaus solle ein Zentrum ländlicher Bildungsarbeit sein, bei der das Buch als Bildungsmacht ersten Ranges einen hervorragenden Platz erhalten müsse, weshalb die hessische Regierung auch den vorbildlichen Ausbau der·Bücherei im Gemeinschaftshaus zu fördern bestrebt sei. Die Bemühungen der Regierung wären aber wirkungslos, wenn nicht vom Dorfe aus die Kraft zur Verbesserung der Lebensverhältnisse ausgehen würde. Als Festgaben überbrachte der Minister ein Fernsehgerät des Hessischen Rundfunks, Ehrenurkunden für alle Mitarbeiter, 38 Spargeschenkgutscheine und eine Dorfchronik.

Landrat Dr. Maraun verband mit dem Dank an Minister Schneider, dem er von den Beschlüssen des Kreistages zur Verbesserung der Fürsorgemaßnahmen und des Baues eines Altenpflegeheimes berichtete, die Glückwünsche an die Gemeinde, der er einen zusätzlichen Betrag von 10 000 DM überreichte. Die Gemeinde brachte den Dank an den Minister durch die Ueberreichung eines "Erntedankes" zum Ausdruck und auch Oberregierungsrat Kuhnmünch und Landrat Dr. Maraun wurden mit einem Ehrengeschenk bedacht. Als Sprecher der Gemeinde überreichte Rudi Tandler Bürgermeister Lamp eine Erinnerungsurkunde, wobei er hinzufügte, daß der Volksmund der Anlage bereits den Namen "Wilhelmsburg" gegeben habe, worauf auch Architekt Hohmann, Friedberg, bei der Schlüsselübergabe einging. Bei einem Zusammensein im neuen Gemeinschaftsraum wurde auf Frau Sniegon für die auf die Ereignisse bezogenen Liedertexte und Lehrer Widmann für deren Vertonung herzlich gedankt und auch der Bläserchor Fritz Weigel, Garbenteich, erhielt gebührende Anerkennung.

 
 

Festreden

Erstellt am 23.05.2008 von Peter Bömer

 
 
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